Vier Dimensionen von Licht

Text: Interieur

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Michael Wyss
 | Bilder: zVg

Licht ist Licht, könnte man meinen. Stimmt so natürlich nicht, denn auch im Bereich des künstlichen Lichts führt die Diversifizierung zu einer immer grösseren Formenvielfalt. INTERIEUR hat mit vier Schweizer Leuchtenmanufakturen Kontakt aufgenommen, die unterschiedlich aufgestellt sind.

Licht als Spiel

Simon Märki versucht, die spielerische Komponente aus dem Licht herauszukitzeln. Das jedenfalls suggeriert der Firmenname Liechtspiu. Doch seine Referenzen zeigen, dass es dem gelernten Elektroniker um weit mehr geht als um ein Spiel. Beispielsweise hat er für den Touring Club Schweiz sehr passend aus gebrauchten Auto- und Velofelgen Lichtringe umgesetzt, die nun am TCS-Standort in Ostermundigen von der Decke hängen. Obwohl er ein gestalterisches Flair besitzt, verweist Simon Märki vor allem auf seinen technischen Background, wenn man ihn danach fragt. Oft entstehen seine Leuchten durch Kundenprojekte, vielfach – wie im Fall der TCS-Leuchten – auch mit externen Gestaltern zusammen.

Hervorheben aus seiner Leuchtenkollektion möchte der Berner, der sich in Winterthur zum Lichtgestalter hat weiterbilden lassen, die Hängeleuchte «Cristallina». Sie ist mit einem Profilquerschnitt von 15×15 Millimetern extrem schlank und bietet dennoch optimales Licht an. Damit eignet sie sich hervorragend als Tischleuchte. Bei diesem Modell sind die LEDs auf einen Aluminiumkern aufgesetzt. Stromführung sowie Abhängung geschehen über dieselben Kabel, sodass zusätzliche Seile eingespart werden können.

Liechtspiu wurde 2017 gegründet, mit dem Ziel, hochwertige, individualisierbare Leuchten auf den Markt zu bringen. Neben dem Bau von Leuchten bietet Simon Märki auch produktneutrale Lichtplanungen an.

Mehr als ein Stück Holz

Die Möbelagentur Aeschlimann aus dem zürcherischen Meilen führt nicht nur das Label «Trendstühle.ch», sondern seit rund acht Jahren auch eine geraume Zahl von Leuchten unter dem Markennamen «Stückholz». Entstanden ist die Kollektion aus einem persönlichen Bedürfnis heraus: Weil damals auf dem Markt keine entsprechende LED-Leuchte aus Holz zu finden gewesen sei, habe er kurzerhand selber den Stechbeitel in die Hand genommen und eine gebaut, erklärt Daniel Aeschlimann, dessen Unternehmen aus einer traditionsreichen Möbelfabrik entwachsen ist. Ein befreundeter Elektroingenieur übernahm damals den Einbau der LEDs – heute sind die beiden Geschäftspartner.
«Stückholz» hiess die erste Leuchte – eine Pendelleuchte, die heute unter dem Namen «Tödi 2» bekannt ist. Später wurde der Produktname zum Markennamen. Eines der erfolgreichsten Modelle ist die Leuchte «Titlis 2». Sie besteht aus einem Vierkantholzstab mit integrierten Lichtleisten für direktes und indirektes Licht, ist in verschiedenen Längen und in diversen Holzarten erhältlich. Eine diffuse Abdeckung sorgt für die zielgerichtete Verteilung des LED-Lichts. «Wir lassen die LED-Segmente nach unseren exakten Vorgaben produzieren», sagt Daniel Aeschlimann. Daher wisse man um die Hochwertigkeit und Lebensdauer der eingesetzten Komponenten. Zudem würden die Leuchten zu 100 Prozent in der Schweiz hergestellt, zum Teil automatisiert mit CNC-Technik, zum Teil von Hand. «Bei der Produktentwicklung achten wir auf effiziente Prozesse, vor allem bei der Handarbeit», erklärt Aeschlimann seine Philosophie. So könne er den Produktionsstandort Schweiz aufrechterhalten und weiterhin garantieren. «Darauf sind wir stolz», so Aeschlimann. Ebenfalls wichtig ist ihm, dass seine Leuchten eine grosse Lichtmenge abliefern und dimmbar sind.

Mechanisch umlenkbar

Ebenfalls elektronisch dimmbar, und zudem noch mechanisch umlenkbar, ist das Licht der Leuchte «Conversio» des Labels Illuminartis. Je nach Positionierung des Leuchtrings im Verhältnis zum Reflektorring wird bis zu 95 Prozent des Lichts stufenlos nach unten oder nach oben gelenkt. Durch einen einfachen Handgriff kann somit die Ambiance eines Raumes verändert werden. Die «Conversio» gibt es als Pendel- und als Stehleuchte.

Das Mutterhaus von Illuminartis, die werk14 AG in Grünen im Emmental, ist Spezialistin für das Stanzen, Umformen, Wasserstrahlschneiden und CNC-Bearbeiten von Metallteilen. Entsprechend weisen die Leuchten von Illuminartis einen Grossteil an Metall-Komponenten auf. Für das Design der «Conversio» war das renommierte Atelier Oï aus La Neuveville zuständig.

Werk14 lebt seit über 20 Jahren die Philosophie von Kaizen, einer ursprünglich aus Japan stammenden Lehre für die permanente Verbesserung von Verfahren, Prozessen und Produkten – angetrieben und getragen durch alle Mitarbeitenden des Unternehmens. Diese Haltung unterstütze nicht nur die ständige Optimierung von Prozessen, sondern führe auch zu einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeitenden, ist werk14-Geschäftsleiter Thomas Germann überzeugt.

Die Sparte «Leuchten» ist bei der werk14 AG lediglich eines von drei Geschäftsfeldern. Im Moment führt Illuminartis zwei Leuchtenfamilien im Portfolio – neben der «Conversio» die im Gründungsjahr 2008 entstandene «Rhombus».

Der Wert von Arbeit

Ein erfolgreiches Gespann bilden die drei Gründer von kln.swiss aus Zimmerwald. Es sind zwei Brüder und ihr Cousin, die auch ihre Freizeit gerne gemeinsam verbringen. Vor zweieinhalb Jahren haben sie sich geschäftlich zusammengetan, um Holzprodukte herzustellen. Bald einmal haben Leuchten aus Altholz das Produktportfolio bereichert. Die Leuchten bilden heute einen wichtigen Pfeiler des Geschäftskonzepts. Dieses besteht im Kern darin, den Kund*innen Holz näherzubringen und den Wert der Arbeit zu vermitteln, welche hinter den Produkten steckt. «Erlebnisschreinerei» nennt Nico Muhmenthaler, Mitgründer und Marketingmotor von kln.swiss, sein Unternehmen. In diesem Rahmen finden von Zeit zu Zeit Workshops statt, an denen auch mal eine Leuchte gebaut werden kann.

Wer die Schreinerei auf der Suche nach einer Altholzleuchte betritt, der findet 30 bis 50 vorfabrizierte Modelle vor, aus denen er seinen Favoriten aussuchen kann. Weil kein Holz gleich ausschaut wie das andere, sind gewissermassen alles Unikate. «Unikate mit CE-Zertifikat», präzisiert Nico Muhmenthaler.

Die Leuchte «Cristallina» stammt von Liechtspiu in Bern.
Die Leuchte «Infigo» von kln.swiss stammt aus Zimmerwald. 
Viele Einzelteile der «Titlis2» der Möbelagentur Aeschlimann werden im Zürcher Oberland gefertigt.
Die «Conversio» des Labels Illuminartis wird in Grünen im Emmental hergestellt.
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