Ruhig Blut – auch in Krisenzeiten

Gespräch: Sigrid Hanke | Fotos: interieursuisse

Walter Pretelli, Geschäftsführer von «einrichten­schweiz» und von «interieursuisse».

Während sich jedes ­Geschäft der Branche damit auseinander­setzen muss, wie es in Zeiten von Corona weiter­gehen soll, ­unterstützen ­sowohl ­«interieur­suisse» als auch der ­Dachverband ­«einrichtenschweiz» ­ihre Mitglieder dabei, sich im ­Wirrwarr von zum Teil ­widersprüchlichen ­Vorschriften zurecht­zufinden. Mit Interpellationen und Einsprachen auf ­Bundesebene agiert der ­Verband bestmöglich im Interesse seiner Mitglieder und informiert diese auf ­breiter Ebene über alles Relevante. Ein Gespräch mit ­Walter Pretelli, dem ­Geschäftsführer des Dach­verbandes und von ­«interieursuisse».

Wie haben Sie – als Verband – Ihren ­Mitgliedern geholfen, in diesem ­Wirrwarr von Vorschriften und Bestimmungen mit dem Was-ich-darf-und-was-darf-ich-nicht klarzukommen, insbesondere im soeben beendeten Teillockdown?

Generell muss ich leider sagen: Die Vorschriften waren – und sind es immer noch – unbrauchbar. Sie sind nicht verständlich, sie sind bürokratisch, sie sind widersprüchlich und sie sind nicht zu Ende gedacht. Wir bemühen uns um Vereinfachung und um Verständlichmachung. Das heisst, wir beobachten, wir machen ein Monitoring, wir evaluieren und wir informieren anschliessend in einer richtiggehenden Übersetzungsleistung unsere Mitglieder.

Und wie informieren Sie die Mitglieder?

Hauptsächlich über den Newsletter unseres Verbandes. Der wird an alle Mitglieder verteilt und erscheint sporadisch – bei Bedarf oder aus aktuellem Anlass aber auch innerhalb von wenigen Tagen. Ansonsten in monatlichen Abständen. Alle Informationen sind auch auf unserer Webseite sowie auf allen Social-Media-Kanälen verfügbar und ­abrufbar.

Sicher gibt es auch viele tele­fonische ­Anfragen. Heisst das, dass die Geschäfts­stelle des ­Verbandes ­gleich­zeitig auch eine telefonische ­Auskunfts- und ­Beratungsstelle ist?

Ja, wir geben uns Mühe, allen Anfragen gerecht zu werden. Unser achtköpfiges Team ist auch in Politik- und Wirtschaftsberatung geschult.

Welche Fragen wurden hauptsächlich gestellt?

Die meisten Fragen zielten in dieselbe Richtung, nämlich die typischen Widersprüche, verursacht durch die gesetzgebenden Bestimmungen, die Auslegungsgrundsätze sowie die unterschiedlichen Umsetzungen in den Kantonen. Warum ist das oder jenes im Nachbarkanton erlaubt, nicht aber bei uns? Dazu muss man etwa wissen: Die «Härtefallverordnung» ist vom Bund vorgegeben. Die Umsetzung jedoch liegt bei den Kantonen. Unterschiedliche Umsetzungsregeln sind also systembedingt.

In all diesem Wirrwarr: Wo ist Ihre Position?

Wir leben Kultur. Wir wiegeln nicht auf. Wir empfehlen Geduld und «ruhig Blut» – und raten dazu, sich möglichst nicht von der allgemeinen Unruhe anstecken zu lassen. Wir suchen den Konsens.

Wie ist die Stimmung bei Ihren ­Mitgliedern?

Nach dem ersten Lockdown 2020 wurden beim Endkunden Kompensationskäufe ausgelöst. Auf einmal war man überwiegend zu Hause und hatte Zeit, sich mit seinem Wohnumfeld auseinanderzusetzen und sich zu überlegen, wie man das vielleicht verbessern könnte. So viel zu Fachhandel und der Raumausstattung. Betreffend die Möbelproduktion lässt sich sagen: Unsere Branche hat zumindest im letzten Jahr mit einer schwarzen Null geschlossen. Es war zwar ein Nullsummenspiel – aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Für das 2021 sieht es nicht mehr so positiv aus. Der Anfang März aufgehobene Teillockdown der stationären Geschäfte verursacht empfindliche Umsatzrückgänge bei den Produzenten. Ob diese je wieder kompensiert werden können, steht in den Sternen geschrieben.

Wie sieht die Situation 2021 aus?

Der Virus ist da und wird sicher auch noch einige Zeit bleiben. Jetzt braucht es gezielte, überlegte und wissenschaftlich begründete Öffnungen – bevor die Wirtschaft tot ist oder unser Land von weiteren gesundheitspolitischen Krisen heimgesucht wird. Wir wissen bis heute noch nicht, wo genau man sich ansteckt. Wir haben keine verlässlichen Daten zu den zahlreichen Facetten der Pandemie.

Wie sehen Sie da die Rolle Ihrer beiden ­Verbände?

Wichtig ist, dass wir proaktiv handeln können. Unsere Rolle ist, Vertrauen zu schaffen und zu bestätigen, dass wir für unsere Mitglieder da sind. Dies im Sinne von: Wir verstehen dich, wir sind ja auch selber betroffen. «Verband» heisst ja auch «Verbund». Ein Verband sollte also ein Verbund von Gleichgesinnten sein. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Wir kennen die Situation und müssen für unsere Mitglieder aktiv werden. Das ­umzusetzen ist unsere Aufgabe. Um das tun zu können, brauchen wir aber auch einen Staat, der die dafür nötigen Rahmenbedingungen schafft und Massnahmen unbürokratisch umsetzt!

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