Natürlich, kreislauffähig, rückverfolgbar

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Michael Wyss
 | Bilder: Lorenz Cugini, Michael Wyss

Im Sommer dieses Jahres fand die «Heimtextil» in Frankfurt in «abgespeckter» Version statt. «Summer Special» nannten die Verantwortlichen die vier Tage, welche zum ersten Mal gleichzeitig mit den Formaten «Techtextil» und «Texprocess» stattfanden und damit ein umfassendes Bild der Branche zeichneten.

Die Messeleitung war zufrieden mit dem Andrang auf ihre Ausstellungsflächen an der Messe Frankfurt: Mit insgesamt 117 Teilnehmernationen, rund 63000 Besucher*innen und 2300 Aussteller*innen gelang ein fulminanter Restart der internationalen Textilmessen. An der «Heimtextil» waren acht Schweizer Firmen vertreten.

Den Trends auf der Spur

Zu sehen waren vor allem Textilien, aber nicht nur. Eingangs der Halle 4.0 konnte man die Ausstellung «Next Horizons» besuchen, welche den Trends in der Einrichtungsbranche mit vier Themenfeldern auf den Grund ging. Entworfen und umgesetzt wurde das Konzept von der dänischen Designerin Anje Bisgaard Gaede und ihrem Team von SPOTT Trends & Business. Die an der Messe teilnehmenden Unternehmen wurden vorgängig dazu aufgerufen, ihre Textilenmuster einzusenden. Aus dem so zustande gekommenen Fundus an Textilien konnte die Designerin bei der Gestaltung ihrer Show auswählen. Die Auswahl geschah aufgrund diverser Kriterien der Nachhaltigkeit.

Natürlich

An einer Stange hing beispielsweise das Textil «Bananatex», ein Material, das es bereits seit vier Jahren gibt, das aber erst seit Kurzem in öffentlichkeitswirksamen Anwendungen aufgetaucht ist. «Bananatex» besteht aus Fasern der Bananenpflanze und ist «Cradle To Cradle Gold»-zertifiziert. Das Material wurde vom Schweizer Taschenhersteller Qwestion mitentwickelt. Vor ein paar Monaten hat die Firma Lehni den Lounge-Chair Ensō auf den Markt gebracht, der «Bananatex» als Bezugsstoff trägt. Für das Design aus einem eloxierten Aluminiumrahmen und eben dem neuartigen Gewebe war das Büro Fréderic Dedelley in Zusammenarbeit mit Qwestion-Mitgründer Christian Paul Kägi verantwortlich. 
Natürlichkeit war an der Messe auch bei den Färbemitteln angesagt. Das VIA University College aus Dänemark testete naturnah gefärbte Stoffe im Labor auf Licht- und Waschechtheit. Es erfuhr dadurch, inwiefern sich Zwiebelschalen oder Avocadokerne als Grundlage für den Färbeprozess eignen.

Kreislauffähig

Die «Next Horizons» zeigte auch das Textil «Spinnova», welches gemäss der Erfinderfirma aus Holz- und anderen Abfällen besteht. Doch seien nicht unbedingt die verwendeten Rohstoffe revolutionär, sondern die Herstellung, für die eine Spinne Pate stand. Analog zu der Art und Weise, wie diese ihr Netz erstelle, würden für «Spinnova» kaum Wasser eingesetzt und keine gesundheitsschädlichen Chemikalien verwendet. Die Herstellung geschehe fast CO₂-neutral. Zudem könne aus gebrauchtem «Spinnova» jederzeit neues Garn hergestellt werden. 
Ein Schweizer Unternehmen, das sich ebenfalls dem Recycling von Textilien annimmt, ist Ocean Safe aus Bern. Es führt das synthetische Garn «Nanea» im Angebot. Dieses besteht zu 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und zu 70 Prozent aus fossilen Bestandteilen. Trotz den fossilen Inhaltsstoffen ist es gemäss Ocean Safe biologisch abbaubar. Das Unternehmen gibt seinen Kunden ein Baukastensystem zur Hand, mit dem textile Produkte gänzlich in «Cradle to Cradle Gold»-Qualität hergestellt werden können.

Ocean Safe bietet auch Hand an bei der Entwicklung von Möbelstoffen, die den Vergleich mit herkömmlichen Materialien nicht fürchten müssen. Obwohl kreislauffähig, weisen diese eine gute bis sehr gute Scheuerbeständigkeit auf.

Funktional


Weitere funktionale Textilien waren an der «Techtextil» zu finden. Nur schon der Swiss Pavillon hielt eine Menge davon bereit. Zum Beispiel fand man hier Feuerwehrschläuche. Für die Unterteilung der Stände im Pavillon sorgten lange schallschluckende Vorhänge aus der Kollektion von Création Baumann. Das Produkt «Acoustic Divider Vario» mit «Noiseblocker» sei dazu geeignet, Räume zu unterteilen – und die entstehenden Parzellen schalltechnisch voneinander abzugrenzen, ist beim Verband Swiss Textiles zu erfahren. Zudem könne das Messekonzept anderweitig wieder eingesetzt werden und leiste so einen Beitrag zu der an dieser Messe vielzitierten Nachhaltigkeit.

Rückvelfolgbar

Die Schweizer Zertifizierstelle Oeko-Tex stellte mit «Made in Green» ein System vor, das den Konsument*innen dabei hilft, den Herstellungsprozess von Textilien zurückzuverfolgen. Mit «Made in Green» zertifizierte Textilien erhalten eine Etikette mit QR-Code, die nicht nur gewährleistet, dass das entsprechende Produkt gesundheitlich unbedenklich und fair produziert worden ist, sondern auch – beim Einlesen auf einem entsprechenden Gerät – die Geschichte zum Produkt offenbart, inklusive der Herkunft der Materialien.
Ebenfalls die Lieferketten nachvollziehbar macht das Unternehmen Kuny AG aus Küttigen. Die Herstellerin von Textilbändern aller Art webt neuerdings RFID’s in ihre Bänder und versieht damit Textilien mit Informationen.
Auch die Ausstellerin Haelixa – ein Spin-off der ETH Zürich – widmet sich der Rückverfolgbarkeit von Textilfasern sowie anderen Rohstoffen. Dafür setzt sie einen sogenannten DNA-Marker ein.

Aus «Bananatex» und recyceltem Aluminium: der Stuhl Ensō von Lehni
«Bananatex» ist ein Gewebe aus Fasern der Bananenpflanze.
Aufgefallen: Textilien mit der Anmut einer Baumrinde.
Aufgefallen: Bouclé-Stoffe sind überall.
Aufgefallen: Mikrofaserstoffe, die sich anfühlen wie Leder.
Schalldichte Vorhänge dominierten das Standkonzept des Swiss Pavillons auf der «Techtextil».

Informationen für die Heimtextil 2023 erhalten sie bei der schweizer vertretung der messe frankfurt: tina schneebeli, 044 503 94 00, tms@tf-solutions.ch

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