Heimtextile Warmmacher

Michael Wyss

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Michael Wyss
 | Bild: MHZ Hachtel

Mit Vorhängen fünf Prozent Heizkosten einsparen, oder mit Teppichen gar deren zehn oder fünfzehn – das versprechen zurzeit einzelne Werbungen. Was ist da dran?

Textilien verschönern den Wohnraum. Da ist man sich einig. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein kuschelig warmes Ambiente schaffen, in dem man sich gerne zu Hause nach einem anstrengenden Arbeitstag ausruht. Vor dem Hintergrund des Energiesparens stellt sich nun die Frage, ob sich die subjektiv wahrgenommene Wärme, die vorwiegend durch Behänge oder Teppichböden entsteht, auch objektiv messen lasse. Diese Frage ist keine einfache, denn etliche Faktoren sind dabei von Bedeutung: Wo steht das Gebäude? Wie sieht es mit dem aussenliegenden Sonnenschutz aus? Wie ist der Fussboden beschaffen? Gibt es eine Fussbodenheizung? Wie alt sind die Fenster? Handelt es sich generell um einen Alt- oder Neubau? Wie ist dieser isoliert? Welche Art Behang wird eingesetzt? Wie und woraus ist der Teppich gewebt?

Vorhänge schliessen

Für den innenliegenden Sonnenschutz und Teppichböden sind seit Kurzem Zahlen in Bezug auf die Einsparung von Heizwärme vorhanden. Eine Studie des Fraunhofer Instituts ermittelte die Einsparpotenziale an Heizwärme durch die Nutzung innenliegender Sicht- und Sonnenschutzsysteme in Zwillingshäusern. Sie kam zum Ergebnis, dass durch diese Systeme vor allem in der Nacht der Wärmeübergangswiderstand an den Innenseiten der Fenster erhöht werden kann. Das bedeutet konkret, dass nachts die Vorhänge zugezogen werden müssen, um damit Heizwärme länger im Gebäude zu behalten. Bei Bürogebäuden führt der innenliegende Sonnenschutz zudem tagsüber zu höheren solaren Wärmegewinnen – ein Faktor, der sich ebenfalls auf die Heizkosten niederschlägt. Langer Rede kurzer Sinn: Die Heizwärmeeinsparungen bei Einfamilienhäusern können gemäss Fraunhofer Institut durch Schliessen der Behänge in Winternächten bis zu zwölf Prozent erreichen. Die erhöhte Nutzung solarer Wärmegewinne im Büroszenario ermögliche Heizwärmeeinsparungen von zwischen vier und 32 Prozent.

Isolation mit Wabenplissees

Der bekannte Sicht-, Sonnen- und Insektenschutzhersteller MHZ bietet mit der Kombination zweier DUETTE®-Wabenplissees eine Lösung, um Fenster von innen zusätzlich zu isolieren. Der Einsatz zweier unterschiedlicher Stoffe in einer Anlage bringt vor allem energietechnische Vorteile mit sich: Tagsüber sorgt ein transparenter Stoff für den nötigen Sichtschutz bei gleichzeitigem Einfall von Tageslicht, während in der kalten Nacht ein abdunkelnder Stoff eine stärkere Isolationsschicht bildet. DUETTE®-Wabenplissees senken den Wärmeverlust an der Scheibe um bis zu 46 Prozent. Das bestätigt eine Studie des Fraunhofer Instituts.

Die Raumtemperatur senken

Auch Teppiche sorgen für angenehme Wärme. Hauseigene Studien von Tisca Tischhauser zeigen auf, dass sich mit Teppichböden die Raumtemperatur im Vergleich zu Hartböden um 2 Grad senken lässt – bei gleichem Wohlbefinden. Jedes Grad weniger bedeute eine Heizkostenersparnis von etwa sechs Prozent. Man rechne und komme auf zwölf Prozent eingesparte jährliche Heizkosten – lediglich indem man einen Teppich auf den Boden verlegt.

Dabei erwähnt Tisca, dass das Wärmeempfinden einer Person entscheidend durch die Fusswärme beeinflusst werde. Und dass man kalte Füsse meist mit einer höheren Raumtemperatur kompensiere. Ein Datenblatt der Gehatec AG aus Hasle bei Burgdorf zeigt zudem auf, dass in einem modernen Bau die Bodenheizung lediglich ca. zwei Grad über der Raumtemperatur liegen muss, um den Raum genügend zu erwärmen. Gleichzeitig gehen die Oberflächentemperaturen, die sich behaglich anfühlen, weit auseinander, je nachdem, wie der Boden beschaffen ist: Bei einem Teppich darf die Bodentemperatur bei 16 Grad liegen, während ein Steinboden auf 25 Grad aufgeheizt werden muss, um den gleichen Effekt zu erzielen.

Tisca Tischhauser schlägt vor, einen ihrer Wollteppiche einzusetzen, wenn die Heizkostenersparnis im Zentrum stehen soll. Entgegen vieler Meinungen sei dieser auch bei Fussbodenheizungen einsetzbar. Ein Zusatzsymbol auf dem technischen Datenblatt zeigt die Kompatibilität auf.

Création Baumann ist zurückhaltend

Das Energiesparpotenzial von textilen Lösungen wird zum Teil infrage gestellt. Eliane Ernst, Produktmanagerin von Création Baumann, ist zum Beispiel der Meinung, dass der tertiäre, also innenliegende, Sonnenschutz im Sommer sehr gut funktioniere. Wenn es aber darum ginge, inwiefern dieser im Winter mithelfe, ganz konkret Heizkosten zu sparen, dann müsse auf die einzelne Situation eingegangen werden. So würden textile Systeme an denkmalgeschützten Gebäuden oder Altbauten sicherlich gut funktionieren. Nämlich dann, wenn sie im Sinne eines Windfangs die Zugluft abhalten und damit auch zu mehr Wärme im Innenraum beitragen. Bei dreifach verglasten Fenstern dürften die wärmedämmenden Eigenschaften eines Vorhangs aber tiefer ausfallen, weil die Fassade, sprich das Glas, grundsätzlich schon gut Wärme oder Kälte dämmt. Création Baumann hat denn auch entschieden, vorerst keinen Vorhang auf den Markt zu bringen, der explizit die Wärme im Raum behält. Doch ein solches Produkt könnte noch folgen.

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