«Für uns war das Bauchgefühl match-entscheidend»

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Rosalie Manser
 | zVg

Vor 34 Jahren gründeten Barbara und Jürg Bänninger die Hunn Gartenmöbel AG in Bremgarten. Aus dem einstigen Zweipersonenbetrieb ist inzwischen ein KMU mit rund 100 Mitarbeiter*innen geworden. Vor einem Jahr legte das Gründerehepaar ihr Werk in die Hände des neuen Hauptaktionärs Jean-Pierre Iacopetta. Im Interview erzählt Jürg Bänninger, wie er und seine Frau die Zeit der Nachfolgeregelung erlebten.

Jürg Bänninger ist ein Macher. 1988 übernahm der damals 26-jährige Gärtner zusammen mit seiner Frau Barbara  vom Ehepaar Hunn die Firma Hunn in Oberwil-Lieli. Bänningers starteten mit der Unterstützung diverser Aushilfsmitarbeiter. Das Produktesortiment bestand damals nur aus rustikalen Holzmöbeln. In der Folge wuchs das Unternehmen kontinuierlich und wurde zu einer Aktiengesellschaft. Heute beschäftigt Hunn Gartenmöbel in Bremgarten 100 Mitarbeiter*innen. Da ihre vier Kinder andere berufliche Wege einschlugen, stand für Bänningers früh fest, dass eine externe Lösung für die Geschäftsübernahme gesucht werden musste.

Jürg Bänninger, häufig beginnen Unternehmer*innen viel zu spät mit der Nachfolgeplanung, weil sie Mühe haben, sich von ihrem Herzensprojekt zu trennen. Wie war das bei Ihnen?

Meine Frau und ich planten bei der Firmengründung, dass wir spätestens mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen möchten. Das kam dann ein bisschen anders. Nichtsdestotrotz sprachen wir schon, als ich 50 wurde, mit unseren Kindern über eine allfällige familieninterne Übernahme. Als feststand, dass keines der Kinder Hunn Gartenmöbel übernehmen will, begannen wir vor etwa acht Jahren mit der Suche nach einer externen Nachfolgeregelung.

Bei einem KMU in Ihrer Grössenordnung mussten Sie sich vermutlich professionelle Unterstützung mit ins Boot holen?

Ja, das können wohl die wenigsten mit dieser Unternehmensgrösse alleine stemmen. Wir haben uns für das Beraterteam des VZ VermögensZentrums entschieden.

Wie muss man sich den Ablauf einer solchen Nachfolgeregelung vorstellen?

Als erstes wird ein Firmenexposé, eine Art Bewerbungsdossier, für die Firma erstellt. Dazu gehören buchhalterische Faktoren ebenso wie die personelle Situation, die internen Prozessstrukturen oder die Unternehmensphilosophie. Natürlich liessen wir dabei auch unsere persönlichen Wünsche einfliessen.

Und wie sahen die aus? Was musste für Sie – abgesehen von den monetären Mitteln – ein*e Nachfolger*in zwingend mitbringen, um in die engere Auswahl zu kommen?

Auch wenn das die meisten Wirtschaftsexpertinnen und -experten anders sehen dürften: Für uns war das Bauchgefühl matchentscheidend. Die Chemie zwischen der potenziellen Käuferschaft und uns musste stimmen. Denn am Ende des Tages beruht eine solche Übernahme auf sehr viel Vertrauen. Wenn ich die Aktienmehrheit aus den Händen gebe, kann ich noch so viele Vertragsseiten verfassen lassen: Schlussendlich muss ich mich darauf verlassen können, dass der neue Inhaber oder die neue Inhaberin keine falschen Versprechungen gemacht hat. Dass sie oder er unser Team übernimmt und in unserem Sinne weiter in die Zukunft führt. Aus diesen Gründen zogen wir auch nie den Verkauf an ein Investmentunternehmen in Betracht, das Hunn allenfalls als Spekulationsobjekt verwendet hätte.

Wie viele potenzielle Käufer*innen gab es denn in Ihrem Fall?

Wir führten mit zwei weiteren Investoren ernsthafte Gespräche. Unser dritter Versuch mit Jean-Pierre Iacopetta war schliesslich erfolgreich. Wir verstanden uns auf Anhieb. 2017 übernahm er die GKM Gewerbekühlmöbel AG in Sarnen. Wir hörten vonseiten der GKM nur Gutes über den Führungsstil von Jean-Pierre, was uns eine enorme Sicherheit gab. Bis zur Vertragsunterzeichnung trafen wir uns ein halbes Jahr lang fast wöchentlich bei uns zu Hause zu einem Austausch.

Inwieweit ist Jean-Pierre Iacopetta heute präsent in der Firma?

Er arbeitet drei bis vier Tage in der Woche vor Ort in Bremgarten für das Unternehmen. Jean-Pierre lebt dieselbe Geschäftsphilosophie wie wir. Auch er weiss, dass nur mit zufriedenem und motiviertem Personal langfristiger Erfolg möglich ist. Er und Geschäftsführer Sandro Di Giovanni übertragen ihrem Team auf Wunsch viel Verantwortung und bieten die Möglichkeit, sich mit Motivation und Engagement im Unternehmen wertvoll einzubringen. Auch die drei Verwaltungsratsmitglieder und die erweiterte Geschäftsleitung arbeiten eng und in kollegialer Atmosphäre zusammen.

Sie haben die Firma Hunn Gartenmöbel gegründet und bringen folglich jahrzehntelange Erfahrung mit. Wie gestaltet sich die Einarbeitung des neuen Geschäftsführers?

Mit Sandro Di Giovanni, der vor vier Jahren zu uns gestossen ist, haben wir grosses Glück. Er hat sich in kurzer Zeit sehr gut integriert und ist im Team ebenso beliebt und akzeptiert wie bei unseren Kundinnen und Kunden. Er ist neu auch finanziell am Unternehmen beteiligt. Geplant ist, dass ich noch drei Jahre im Geschäft mitwirke, bevor ich mich endgültig in den Ruhestand verabschiede.

Fällt Ihnen dieser Schritt ins zweite Glied nicht schwer?

Erstaunlicherweise überhaupt nicht. Die Jungen sollen ihre Ideen umsetzen dürfen und nicht vom ehemaligen Patron gebremst werden. Ich geniesse es nun sehr, mit weniger Verantwortung meiner Leidenschaft für Gartenmöbel weiter nachgehen zu können und mir mehr Freizeit herauszunehmen. Nichtsdestotrotz findet man mich weiterhin regelmässig im Verkauf an, bin für alle erreichbar und stehe bei Fragen gerne beratend zur Seite.

Eine bevorstehende Nachfolgeregelung kann Mitarbeitende, Kunden*innen und Lieferanten*innen verunsichern. Wann und wie haben Sie Ihre Absichten gegen innen und aussen kommuniziert?

Vor acht Jahren führten meine Frau und ich einen Teamanlass durch und informierten dahingehend, dass wir nun mit der externen Suche beginnen. Gleichzeitig schenkten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern je nach Dienstalter insgesamt zehn Prozent unserer Firmenaktien. Es war ein wertschätzendes Zeichen gegenüber unserem Team, was sehr gut ankam. Daraufhin informierten wir unsere Lieferanten und Lieferantinnen ebenfalls sukzessive über unsere Pläne.

Jean-Pierre Iacopetta ist seit 1. April 2021 offizieller Hauptaktionär. Sieben Jahre zuvor ging für Sie die Suche nach einer Nachfolge los. Wie viel Zeit planten Sie ursprünglich für die Nachfolgeplanung ein?

Meine Frau und ich hofften, dass wir innerhalb von vier bis sieben Jahren ohne Zeitdruck fündig werden. Wir konnten unseren Zeitplan folglich gerade noch einhalten. Ich würde Unternehmerinnen und Unternehmern mit ähnlicher Betriebsgrösse raten, mindestens fünf Jahre vor dem eigentlichen Wunsch-Pensionsdatum intensiv mit der Suche zu starten.

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