Eine Quelle des guten Geschmacks

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Michael Wyss
 | Bilder: Michael Wyss

Viquerat – Décoration et Architecture d’Intérieur in Clarens bei Montreux besteht seit rund 100 Jahren. Erst kürzlich feierte Denis Viquerat mit seinen Angestellten das Firmenjubiläum. Dank einer eigenen Werkstatt wird vieles selber hergestellt, was anschliessend die Räumlichkeiten der Kunden verschönert; vor allem Textilien.

Der Showroom von Viquerat in Clarens bei Montreux fällt auf. Nicht nur wegen des Logos mit dem Schmetterling, sondern auch wegen der Inszenierung im Innern der Schaufenster. Sie gibt ein luxuriöses Bild ab – einerseits liegt das an den fein gearbeiteten Möbeln, allesamt von renommierten Herstellern stammend, auf der anderen Seite tragen die reich dekorierten Stoffe zur grossen Anmut bei, die dem Raum hinter den Vitrinen inneliegt.
Stoffe sind denn auch die grosse Spezialität von Denis Viquerat. Der Waadtländer betont, dass sein Unternehmen Viquerat – Décoration et Architecture d’Intérieur – eines der wenigen in der Region sei, die eine derart grosse Auswahl an Textilien führen und sie dann auch noch im eigenen Atelier verarbeiten.

Das Atelier

Sein Atelier, wie die Werkstatt in der welschen Schweiz genannt wird, liegt gleich ein paar Hauszeilen weiter oben am Hang, weg vom See. Hier sieht es anders aus als im Showroom an der Hauptstrasse, man kann leicht die Spuren der Arbeit erkennen: Gleich beim Eingang lagern grosse Kisten mit Möbelteilen und warten auf ihre Auslieferung. Weiter im Innern stehen Möbel zur Auffrischung bereit: eine kleine Récamiere, ein Stuhl aus der Directoire-Zeit oder eine Sitzbank, bei der es nicht nur gilt, einen neuen Bezug anzubringen, sondern gleich auch, die Sitztiefe zu erweitern.
Im Atelier wird auch die über 100-jährige Geschichte von Viquerat augenscheinlich. Alte Werbeplakate hängen hier, mit Schriftzügen aus der Zeit. Sie erzählen zum Beispiel vom Auftauchen des Schmetterlings im Logo: «Der Schmetterling stammt eigentlich von einem Stoffmuster», erzählt Denis Viquerat. «Die Werbeagentur setzte ihn auf ein Plakat, erst danach kam der Gedanke auf, ihn ebenfalls im Logo zu verwenden.»

Die Kernkompetenz

Auch wenn bei Viquerat auch mal mit klassischen Stilmöbeln oder einigen modernen Interpretationen davon hantiert wird – die Regel ist es nicht. Immer mehr Kunde*innen würden sich moderne Möbel wünschen, so Denis Viquerat.
Sofern sie sich von ihm denn Möbel wünschen. Bekannt ist er unter Architekt*innen nämlich vor allem für das Wissen um sowie die Kompetenz in Textilien. «Darin haben wir viel Erfahrung, auch wenn es um technische Aspekte geht», erklärt der Firmeninhaber, der rund 12 Mitarbeiter*innen beschäftigt. Was im Showroom mit einer umfangreichen Stoffkollektion erahnt werden kann, wird spätestens im Atelier offensichtlich. Hier arbeiten drei Wohntextilgestalterinnen gerade an neuen Vorhängen sowie einem Bettüberzug. Zwei davon sind Lernende. Es sei wichtig, dass in der Schweiz gute Textilgestalter*innen ausgebildet würden, findet Denis Viquerat. Er jedenfalls trägt seinen Teil dazu bei.

Bauleitung und Handskizzen

Und wie ist das Vorgehen, wenn sich ein neuer Auftrag anbahnt? Zuerst werde beim Kunden vor Ort der Wunsch eruiert. Dann mache man oft einen Vorschlag für die Projektleitung, eventuell für die Bauleitung. Anschliessend erarbeite man ein Vorprojekt, das wiederum präsentiert und mit dem Kunden besprochen werde. Meist seien es private Kunden, manchmal auch Hotels oder andere grössere Institutionen. So durfte Denis Viquerat mit seinem Unternehmen auch schon bei Schulhäusern oder Theatern beratend und ausführend zur Seite stehen.
Gezeichnet wird noch von Hand, manchmal mittels eines 2-D-Zeichnungsprogramms. 3-D-Visualisierungen findet Denis Viquerat gefährlich, da er auch schon mal auf Vorhänge angesprochen wurde, welche am Ende nicht genau wie im Rendering aussahen. «Schwierig», findet er. Besonders wenn das Aussehen im Vertrag als verbindlich umschrieben worden ist. Da böten Handskizzen den deutlich grösseren Spielraum.

Das Atelier ist ein wichtiger Teil des Unternehmens.
Der Showroom zeigt unter anderem die Kompetenz in Sachen Textilien auf. 
Amerikanischer Nussbaum als prägende Holzart: Bureau mit passendem Stuhl.
Das Schaufenster offenbart einen Schminktisch der gehobenen Art.
Elegant: Kronleuchter, goldene Tapete und ein Sideboard, das an die 1950er-Jahre erinnert.
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