Das etwas andere «Leder»

Text: Interieur

Leder aus pflanzen

Text: Michael Wyss | Bilder: Sohotree

Echtes Leder stammt vom Tier. Künstliches oder veganes Leder dagegen besteht oft aus Plastik – beides ist nicht jedermanns Sache. Seit kurzem nun gibt es eine Alternative: Das pflanzliche Leder. Nach Notebook-Hüllen und Co. sollen bald auch Möbel aus pflanzlichen Alternativen in Fachgeschäften reüssieren. 

«Leder ist übel». Das finden die beiden Gründer von «Sohotree» einem jungen Zürcher Start-up. Leder gelte weltweit als edles und hochwertiges Material und kaum jemand zweifle dies an – da sind sich die Brüder Claudius und Lucas Knecht einig. Die landläufige Meinung jedoch ist keinesfalls die Ihrige. Die Gründer von «Sohotree» haben recherchiert; und herausgefunden, dass das tierische Material bedenklich ist. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass es vom Tier stammt, sondern auch wegen seiner Verarbeitung.

Alternative aus Äpfeln

Deshalb setzen die beiden mit ihrem Unternehmen auf eine pflanzliche Alternative – das «ApplePeelTM», welches Hannes Parth aus Bozen erfunden und entwickelt hat. Grundbestandteil dieses innovativen Materials bilden Reste aus der Produktion von Apfelsaft und Apfelmus. Der Trester wird getrocknet und zu Pulver zermahlen. Dieses wiederum wird mit rund 50 Prozent Biokunststoff ergänzt und auf einem reissfesten Baumwollgewebe zu einem Leder-ähnlichen Material verpresst. Die geprägte Oberfläche kann tierisches Leder imitieren oder ganz eigene Züge annehmen; es ist in diversen Farben erhältlich.

Pflanzliche Leder

Das Leder-ähnliche Material vom Apfel ist aber nicht das einzige seiner Spezies. Carmen Hijosa zum Beispiel ist Gründerin von «Ananas Anam» und Erfinderin von «Piñatex», einem pflanzlichen «Leder», aus dem das Modelabel Hugo Boss in einer limitierten Serie sogar Sneakers herstellt. «Piñatex» besteht aus den Blättern der Ananas.
Ebenso im Markt der pflanzlichen Leder mischt das Unternehmen «Vegea» aus Italien mit. Seine Lederalternative besteht aus dem Trester von der Weinproduktion.
Zwei Mexikaner haben zudem vor drei Jahren das Material «Desserto» herausgebracht, welches in der Grundlage aus Kakteen besteht.
Auch Ersatzleder aus Pilzen oder aus genmanipulierter Hefe stehen derzeit in der Entwicklung.

Eine Veränderung herbeirufen

Obwohl die neuen Werkstoffe im Vergleich zu echtem Leder in manchen Belangen klar schlechter abschneiden, so sind bei «Sohotree» aus dem Apfelleder doch bereits einige tolle Accessoires wie Portemonnaies oder Notebookhüllen entstanden. Ein Rucksack soll folgen. Gemäss Hannes Parth wird sein Material zuweilen sogar als Polsterbezug verwendet. Bei solchen Anwendungen dürfte das Möbelherz höher schlagen, auch wenn da sicher Vorsicht geboten ist, denn auch die Lebensdauer eines Produktes wiegt im ökologischen Rucksack.
Am Ende wollen die beiden Brüder von «Sohotree» mit Hilfe des innovativen Materials vor allem eines: «Die Wahrnehmung in der Gesellschaft verändern»; die Menschen dafür sensibilisieren, «dass nachhaltige Produkte echt gut aussehen können».

Das Leder aus dem Apfel könnte tierisches Leder auch im Interior-Bereich bald ergänzen.
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